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KSS und Schneidöl: Prozesssicherheit durch viskositätsgerechte Trennung der Pumpensysteme

In der modernen Zerspanung ist die Koexistenz verschiedener Kühlmedien längst Standard. Während die klassische Fertigung auf wassergemischte Kühlschmierstoffe setzt, verlangen anspruchsvolle Prozesse wie das Tieflochbohren, das Räumen oder die Bearbeitung von Titanlegierungen nach reinem Schneidöl. Diese beiden Medien unterscheiden sich nicht nur in ihrer Chemie. Sie weisen grundlegend unterschiedliche physikalische Eigenschaften auf. Dennoch wird in der betrieblichen Praxis oft versucht, die Versorgung beider Stoffgruppen mit einer identischen Logistik-Infrastruktur abzubilden.
Dieser Ansatz ist ein technischer Trugschluss. Eine Universal-Lösung für dünnflüssige Emulsionen und zähe Öle existiert nicht. Werden Geräte außerhalb ihrer hydraulischen Spezifikation betrieben, führt dies zu ungenauen Mischungen, Pumpenschäden und massiven Sicherheitsrisiken. Prozesssicherheit entsteht erst, wenn die Anlagentechnik exakt auf die Zähigkeit des Mediums abgestimmt ist.
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H2: Wie die Anwendung das Systemdesign bestimmt
Der entscheidende Parameter für die Auslegung eines Versorgungssystems ist das Anforderungsprofil an das Medium: Mischen oder reines Abgeben.
Bei wassermischbaren Kühlschmierstoffen liegt die Herausforderung in der präzisen Zusammenführung von Konzentrat und Wasser zu einer stabilen Emulsion. Obwohl sich die fertige Emulsion strömungstechnisch ähnlich wie Wasser verhält, variieren die Konzentrate in ihrer Beschaffenheit erheblich. Die Viskositäten am Markt reichen von sehr dünnflüssigen bis hin zu hochviskosen Konzentraten. Um hier Prozesssicherheit zu garantieren, sind die FLACO KSS-Geräte für einen breiten Standardbereich optimiert.
Nicht-wassermischbare Kühlschmierstoffe (Schneidöle) weisen im Vergleich zur fertigen Emulsion in der Regel eine deutlich höhere Viskosität auf. Sie erzeugen in Schläuchen und Armaturen einen hohen Reibungswiderstand, der Pumpen mit hohem Drehmoment und spezifischen Förderkennlinien erfordert.
- Die FLACO KSS-Serie ist auf die komplexe Mischkammer-Technologie spezialisiert, um exakte Konzentrationen zu gewährleisten.
- Die FLACOLube-Serie ist auf die reine, kraftvolle Abgabe eines Mediums ausgelegt.
Ein technisches Retrofit eines KSS-Gerätes auf den reinen Öl-Betrieb (oder umgekehrt) ist aufgrund der unterschiedlichen internen Fluidik und der spezialisierten Mechanik ausgeschlossen.
FLACO KSS-Serie: Aktive Mischtechnologie für jedes Szenario
Die mobilen Anlagen der FLACO KSS Pro- und Max-Serie passen sich flexibel an die Infrastruktur der Fertigungshalle an. Je nach Modellvariante stehen zwei Versorgungsstrategien zur Verfügung.
In der Konfiguration für den Direktanschluss transportiert das Gerät das Konzentratfass zur Maschine und wird vor Ort über einen Schlauch an das lokale Wassernetz der Halle angeschlossen. Der Wasserdruck dient hierbei als Basis für den Mischprozess. Die technische Herausforderung liegt in den oft schwankenden Druckverhältnissen in Industriehallen. Wenn Spülprozesse parallel laufen, sinkt der Netzdruck. Einfache Venturi-Mischer reagieren darauf passiv mit schwankenden Konzentrationen. Die FLACO-Geräte hingegen messen den eingehenden Wasserdurchfluss in Echtzeit und regeln die Konzentratpumpe elektronisch nach. Dies garantiert eine konstante Emulsionsqualität unabhängig vom Netzdruck.
Für Hallenbereiche ohne engmaschiges Wassernetz oder für maximale Mobilität bietet FLACO Geräte mit integriertem Wassertank. Hier führt das Gerät sowohl das Konzentrat als auch den Wasservorrat mit sich. Das System arbeitet völlig autark von der Gebäudeinfrastruktur. Die Mischung erfolgt intern durch aktive Zusammenführung der Medienströme aus den bordeigenen Tanks. Dies eliminiert nicht nur die Suche nach einem Wasserhahn. Es beseitigt auch jegliche Abhängigkeit von Druckschwankungen im Leitungsnetz. Egal ob am Netz oder aus dem Tank, beide Varianten setzen auf die aktive elektronische Regelung statt auf passive Ansaugung. Nur so lässt sich eine homogene Emulsion sicherstellen.
FLACOLube: Volumetrische Förderung für zähe Medien
Für die Versorgung mit nicht-wassermischbaren Schneidölen kommen die Geräte der FLACOLube-Serie zum Einsatz. Hier findet kein Mischprozess statt. Das Gerät fungiert als mobiler Hochleistungs-Dispenser. Es pumpt das Medium aus dem mitgeführten Fass in die Maschine.
Die verbaute Pumpentechnik ist spezifisch darauf ausgelegt, Medien mit hoher Viskosität ohne Kavitation zu fördern. Da hier keine Vermischung mit Wasser stattfindet, entfällt die komplexe Mischsensorik. Stattdessen liegt der Fokus auf der reinen Kraft der Förderung und der exakten Volumenmessung des teuren Rohstoffs Öl.
Überlaufschutz: Warum die Zapfpistole bei Öl versagt
Ein zentrales Sicherheitsfeature ist die automatische Abschaltung bei vollem Tank. Hier zeigen sich die Grenzen der Physik am deutlichsten. Bei den KSS-Geräten nutzt FLACO ein mechanisches Zapfventil nach dem Venturi-Prinzip. Die Technik ist identisch mit der an Tankstellen. Das dünnflüssige Medium strömt schnell genug, um an der Mündung einen Unterdruck zu erzeugen. Sobald der Flüssigkeitsspiegel die Schnüffelbohrung erreicht, bricht der Unterdruck zusammen und das Ventil schließt schlagartig.
Bei zähem Schneidöl funktioniert diese Aerodynamik nicht. Die hohe Viskosität verhindert den Aufbau der nötigen Strömungsgeschwindigkeit für den Venturi-Effekt. Ein Standard-Zapfventil würde bei Öl nicht abschalten. Das führt unweigerlich zur Havarie. Die Lösung der FLACOLube-Serie ist daher die digitale Mengenvorwahl. Der Bediener gibt am Display die gewünschte Literzahl ein. Das System misst den Durchfluss mittels Ovalradzähler und stoppt die Pumpe elektronisch exakt beim Erreichen des Sollwertes.
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AwSV-konforme Logistik: Mobiler Einsatz statt stationärer Lagerung
Der Umgang mit wassergefährdenden Stoffen in der Fertigung erfordert eine strikte Einhaltung der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV). Werden Ölfässer stationär in der Halle abgestellt, gelten sie als Lageranlagen. Dies macht eine flüssigkeitsdichte Auffangwanne zwingend erforderlich, was den innerbetrieblichen Materialfluss starr und flächenintensiv macht.
Der Einsatz mobiler FLACO-Systeme transformiert diesen Prozess gesetzlich und technisch. Solange das Fass fest auf dem Fahrwagen installiert ist und dem Zweck der Maschinenbefüllung dient, handelt es sich um ein mobiles Arbeitsmittel für den innerbetrieblichen Transport und den aktiven Umgang (Handlingsfall). In diesem operativen
Zustand ist keine stationäre Boden-Infrastruktur (permanente Wannen) am Einsatzort gefordert.
Der Betreiber gewinnt dadurch maximale Flexibilität für die Versorgung des Maschinenparks. Wichtig für die Compliance: Diese Einordnung gilt für den aktiven Betrieb. Wird das mobile System länger als sechs Monate unbewegt an einem Ort abgestellt, greift laut AwSV wieder die Definition des Lagerfalls. In diesem Szenario muss der Abstellplatz entsprechend gesichert werden.
TRGS 611 versus Kostenkontrolle
Die Dokumentationsanforderungen unterscheiden sich je nach Medium. Für wassergemischte Kühlschmierstoffe ist die Technische Regel für Gefahrstoffe 611 bindend. Aufgrund der Gefahr von Nitrosaminbildung und pH-Instabilität müssen Messwerte wöchentlich protokolliert werden. Die Software der FLACO KSS Pro-Geräte erzwingt diese Eingabe durch eine Sperr-Logik vor der Befüllung.
Bei reinem Schneidöl entfällt diese Vorgabe. Öl ist biologisch stabil. Die TRGS-Messpflichten greifen hier nicht. Dementsprechend fordern die Geräte der FLACOLube-Serie keine Eingabe von pH- oder Nitritwerten. Das bedeutet jedoch nicht, dass Daten irrelevant sind. Da Schneidöl ein Vielfaches teurer ist als Emulsion, verlagert sich der Fokus von der Gesundheitsschutz-Dokumentation auf das Kosten-Controlling. Beide Geräteserien erfassen den Verbrauch maschinengenau. Der Datenexport via USB ermöglicht eine lückenlose Zuordnung der Materialkosten auf die Kostenstelle. Dies hilft, Leckagen durch Abweichungsanalysen frühzeitig zu identifizieren.
Leckage-Erkennung durch digitale Verbrauchsdaten
Sowohl die Mischsysteme für Emulsionen als auch die Dispenser für Öle bieten in einigen Ausstattungsvarianten eine detaillierte und maschinenbezogene Verbrauchserfassung. Diese Datenhoheit wandelt den einfachen Befüllvorgang in ein Instrument des Kostencontrollings. Durch den Export der Verbrauchsdaten im CSV-Format über eine USB-Schnittstelle lässt sich exakt rekonstruieren, welche Maschine wann wieviel Medium erhalten hat. Anomalien im Verbrauchsmuster werden sofort sichtbar. Steigt der Ölbedarf einer Maschine bei konstanter Auslastung plötzlich deutlich an, ist dies oft ein Frühindikator für technische Defekte. Mögliche Ursachen sind Leckagen im Hydrauliksystem oder ein übermäßiger Austrag durch verschlissene Abstreifer. Die Digitalisierung des letzten Meters der Versorgungskette fungiert somit als Werkzeug zur Zustandsüberwachung. Dies hilft, teure Medienverluste frühzeitig zu stoppen.
Fazit: Sicherheit durch Systemtrennung
Die physikalischen Unterschiede zwischen Emulsion und Öl lassen keine Kompromisse zu. Wer versucht, beide Medien mit einer Technologie zu beherrschen, scheitert an den Gesetzen der Hydrodynamik. Die Investition in spezialisierte Systeme ist die einzige Methode für einen sicheren Betrieb. FLACO KSS Geräte sichern die Emulsionsqualität durch aktive Mischung. FLACOLube-Geräte beherrschen zähe Öle durch Hochleistungspumpen und volumetrische Kontrolle. Diese Trennung vermeidet Pumpenschäden, erfüllt gesetzliche Auflagen ohne baulichen Aufwand und gewährleistet die Prozesssicherheit in der Fluid-Versorgung dauerhaft.
FAQ
Warum haben FLACOLube-Geräte keine automatische Zapfpistole?
Das automatische Abschalten einer Zapfpistole basiert auf dem Venturi-Effekt. Dieser setzt hohe Fließgeschwindigkeiten und niedrige Viskosität voraus. Zähes Schneidöl kann diesen Effekt physikalisch nicht erzeugen. Deshalb nutzen Loop-Geräte stattdessen eine elektronische Mengenvorwahl zur Absicherung gegen Überfüllung.
Kann ich ein FLACO KSS Gerät auf Schneidöl umrüsten?
Nein. Die KSS-Geräte sind technisch als Mischeinheiten konzipiert. Wasser ist hier die Regelgröße. Die internen Pumpen, Dichtungen und die Sensorik sind nicht für die hohen Widerstände und die Zähigkeit von Schneidöl ausgelegt. Ein Umbau ist technisch ausgeschlossen.
Wann ist eine Auffangwanne für mobile Ölbefüllgeräte Pflicht?
Gesetzlich ist dies abhängig vom Status des Gerätes. Wird es bewegt und genutzt, gilt dies als Handlingsfall. Eine Wanne ist dann nicht zwingend. Steht das Gerät länger als sechs Monate unbewegt an einem Ort, wird es zum Lagerfall nach AwSV. Dann ist eine Auffangwanne vorgeschrieben.
Warum spricht man bei mobilen KSS-Geräten vom Netzdruck?
Einige KSS-Geräte transportieren zwar das Konzentrat mobil, werden aber für den Mischvorgang an das lokale Wassernetz angeschlossen. Das Wasser für die Emulsion kommt also aus der Leitung und nicht aus einem mitgeführten Tank. Die aktive Regelung der FLACO-Geräte gleicht Druckschwankungen in diesem Netz aus.
Wie unterstützt die FLACOLube-Serie bei der Leckage-Erkennung?
Durch maschinenspezifische Verbrauchshistorien. Da Schneidöl ein hoher Kostenfaktor ist, fallen Abweichungen sofort auf. Steigt der Nachfüllbedarf einer Maschine ohne Produktionsänderung an, ist dies ein Indikator für Leckagen oder einen technischen Defekt (z. B. verschlissene Abstreifer). Das System macht diese Verluste transparent.
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